Der alltägliche Wahnsinn auf der Wiesn

Eine liebe Kollegin aus dem Bierzelt hat einen sehr schönen Gastbeitrag für Wiesngschichtn verfasst, der den alltäglichen Wahnsinn im Bierzelt beschreibt.
Kommunikation zwischen Bedienung und Gast. Der Kommunikationswissenschaftler würde hier sagen: „Sechs, setzen!“

Achtung: NEIN! Das ist keine Zusammenfassung der Highlights, sondern passiert tatsächlich täglich so oder ähnlich.

Ja Himmi, Herrgott, Sakrament, Greiz Gruzefix, Hallelujah, ja mi legst am Arsch.

Viel Spaß beim Lesen, Lachen und Wundern!

******

Ein Tag wie jeder andere im Bierzelt

Bei uns im Bierzelt sind für gewöhnlich abends um 17 Uhr die Tische reserviert. Eine jede Bedienung hat 4 Tische, sprich 40 Sitzplätze und eine durchschnittliche Reservierung entspricht einem langen Doppeltisch von 20 Personen, von zwei Seiten/Gängen zu bedienen.

Um 16.30 Uhr füllen sich die Gänge, da die Personen mit Reservierungsbändchen ab dieser Zeit Zutritt zum Zelt haben. Die Nachmittagsgäste sitzen noch an den Tischen, werden aber langsam aufgefordert, diesen zu verlassen und für die Reservierungen frei zu machen.

Bedienung: „Ihr wisst, um 17 Uhr ist hier reserviert! Ihr müsst dann bitte den Tisch frei machen.“
Gäste: „Bring uns noch a Maß, wir trinken schnell!“
Bedienung: „Ihr müsst aber in 15 Minuten den Tisch verlassen. Ihr dürft das Bier auch gerne mitnehmen!“
Gäste: „Kannst Du uns einen Tisch im nicht reservierten Bereich organisieren?“
Bedienung: versucht über den Scherz zu lachen
Bedienung: „Geht jetzt bitte!“
Gäste: „Wir bleiben noch sitzen, bis die komplett da sind!“

Irgendwann herrscht ein buntes Durcheinander aus alten Gästen, neuen Gästen, abräumen, putzen, und die neuen Gäste bestellen natürlich sofort. Einzeln! Jetzt! Bedienung versucht sie zu beruhigen, bis wenigstens die Hälfte der Reservierung da ist.

Bedienung: „Wie viele Bier brauchen wir denn?“
Gast: „Ich nehme ein Radler und ein Hendl!“
Bedienung: „Wir haben kein Radler! Aber ich kann euch eine Limo dazu bringen!“
Gast: „Ihr habt kein Radler???“
Bedienung: „Wir haben kein Radler!“
Gast: „Warum habt Ihr kein Radler?“
Bedienung: „Wir pantschen unser Bier nicht, das müsst Ihr schon selber machen!“
Gast: „Dann nehmen wir ein Bier und eine Limo und einen leeren Maßkrug!“
Bedienung: „Gut! Also wie viele Bier soll ich jetzt an Euren Tisch bringen?“
Gast: „Vergiss die Limo nicht, und ein Hendl!“
Bedienung: „Einfache Frage, einfache Antwort: wie viele Bier brauchen wir?“
Gäste: „Wir brauchen 15 Maß, 5 Limo, 12 Hendl, einen Schweinebraten, ein Spanferkel, einen Obatzten!“
Bedienung: „Ich geh an die Schänke und frag, ob sie Hendl haben!“

Bedienung (Frau, 1, 66 groß) kommt mit 12 Maß an den Tisch!
Gäste: „Das reicht aber nicht, wir haben 15 Maß bestellt!“
Andere Gäste: „Du hast unsere 5 Limo vergessen!“
Bedienung: versucht, irgendwie die Fassung zu bewahren!

Nächste Runde, die restlichen Biere und die Limos werden an den Tisch gebracht!
Gäste: „Jetzt haben wir aber Hunger!“
Bedienung: „Ihr seid nicht die einzigen Gäste hier! Neben Euch sitzen 20 Personen ohne Getränk! Ich hole denen mal eben Bier, dann kümmer ich mich um Euer Essen!“
Gemurre! Schließlich sind sie was Besonderes, sie haben nämlich einen reservierten Tisch auf der Wiesn und Anrecht darauf, nach 20 Minuten ihr Essen vor sich zu haben. VIP!!!! Sieht man doch an den Bändchen! Ja, liebe Leut, und Ihr seid die einzigen in dem ganzen Zelt und die einzigen in 16 Tagen, die hier einen reservierten Tisch haben!
Also auf zur Reservierung zwei!

Bedienung: „Wie viele Maß…“
Gäste: „Ein Radler und ein Hendl…“
Bedienung: „Wir haben kein Radler! Aber ich kann euch eine Limo dazu bringen!“
Gast: „Ihr habt kein Radler???“
Bedienung: „Wir haben kein Radler!“
Gast: „Warum habt Ihr kein Radler?“
Bedienung: „Wir pantschen unser Bier nicht, das müsst Ihr schon selber machen!“
Gast: „Dann nehmen wir ein Bier und eine Limo und einen leeren Maßkrug!“
Bedienung: „Gut! Also wie viele Bier soll ich jetzt an Euren Tisch bringen?“
Gast: „Vergiss die Limo nicht, und ein Hendl!“
Bedienung: „Einfache Frage, einfache Antwort: wie viele Bier brauchen wir?“
Gäste: „Wir brauchen 15 Maß, 5 Limo, 10 Hendl, zweimal Rahmschwammerl, drei Haxn und einen Käseteller!“
Bedienung: „Ich geh an die Schänke und frag, ob sie Hendl haben!“
Bedienung kommt mit 10 Maß an den Tisch. Und steht da! Und wartet!
Bedienung: „Könnt Ihr bitte Platz machen, ich muss das Bier abstellen!“
Gast: schaut irritiert!
Bedienung: „Könnt ihr bitte die Brezn zur Seite schieben, ich kann das Bier nicht aus der Luft verteilen und möchte es ungerne AUF der Brezn abstellen!“
Gäste: verwunderte Blicke, überlegen, schauen, ah, Brezn, was will die, fühlen wir uns doch einfach mal belästigt und schieben ENDLICH diese verdammte Brezn zur Seite.
Und schon können 22kg dann doch abgestellt werden. Keine Reaktion! Angeregte Gespräche am Tisch!
Bedienung: „Bier ist da!“
Keine Reaktion! Angeregte Gespräche am Tisch!
Bedienung: „Du! Du hast doch ein Bier bestellt!“
Gast (fühlt sich gestört und belästigt): „Ich? Ah, ja, gib her!“ und zieht an einer Maß aus der Mitte, so dass die anderen Massen überlegen, ob sie nicht vom Tisch fallen sollen.
Bedienung: „Moment! Noch ist das mein Bier! Es wäre schön, wenn Du bezahlst, bevor Du trinkst!“
Gast: verwirrt! Ach ja, bezahlen! Wühlen, Suchen, mhm… Ach ja, eine Biermarke! Bitte, danke, jetzt her mit dem Bier!
Bedienung: „Die Biermarke ist ohne Bedienungsgeld! Ich bekomme bitte noch 90 Cent von Dir!“
Gast: „Wie?“
Bedienung: „Die Maß kostet 10,10€, die Biermarke hat einen Wert von 9,20€! Du musst bitte noch 90 Cent bezahlen!“
Gast ist etwas verwirrt, gibt der Bedienung einen Euro und sagt gönnerhaft: „Schau, des is für Dich!“
Bedienung: „Alles??? Da sind ja auch noch 10 Cent Trinkgeld dabei! So nett, herzlichen Dank!“
Gast: verwirrt!
Bedienung: „So, wer kriegt noch eine Maß?“ Keine Reaktion!
Nächster Gast zieht an einer Maß!
Bedienung: „First pay!“
Gast: fängt verständnislos an, in den Hosentaschen zu wühlen.
Ha, da! Eine Biermarke! Und eine Hendlmarke!
Gast: „Hier, ich krieg a Bier und a Hendl!“
Bedienung: „Siehst Du irgendwo ein Hendl? Zahl doch bitte erst Dein Bier!“
Gast: verwirrt!
Bedienung: „Ich bekomme bitte noch 90 Cent von Dir!“
Gast: verwirrt!
Bedienung: „Es steht auch auf der Marke: exklusive 90ct Bedienungsgeld! Du musst bitte 90 Cent drauf legen!“
Gast: verwirrt! Legt zwei Euro drauf und sagt: „Ich zahl für Ihn auch gleich mit!“
Bedienung: „Wow! Ich bestelle morgen meinen Ferrari!“
Gast: verwirrt!
Aufgrund dieser effektiven Teamarbeit zwischen Gast und Bedienung sind nach einer für beide Seiten gefühlten und auch tatsächlichen Ewigkeit alle mit Getränken versorgt.
Bedienung: „Ich gehe jetzt dann Essen holen, da bin ich mal 20 Minuten weg! Mag vorher noch jemand etwas zu trinken?“
Gast: „Danke, ich warte noch 2 Minuten!“

Nun möchten etwa 3000 Menschen im Zelt ihr Hendl! Also ab in die Warteschlange!
Bedienung kommt mit 12 Hendl auf dem Schlitten an den Tisch!
Bedienung: „Macht Ihr mir bitte Platz?“
Gäste: schauen verwundert!
Bedienung: „Ich muss das hier abstellen, ich kann die Hendl nicht aus der Luft verteilen…“
Gäste: werfen sich fragende Blicke zu.
Die Bedienung senkt langsam ihre 12 Hendl ab und versucht, das Tablett auf den Tisch zu schieben. Tatsächlich ergreifen ein paar ihre Getränke und machen eine kleine Ecke Platz.
Hände grapschen auf den Schlitten und ziehen irgendwo Hendl weg! Bedienung versucht das zu stoppen, da sonst alles zu kippen droht und verteilt die Hendl einzeln! Wir sitzen immer noch an einem langen Doppeltisch, die Gäste müssen das Essen also an die anderen durchreichen.
Gast, der am Gang sitzt und dem das Hendl zum Durchgeben gereicht wird, schaut das Hendl an, als wäre es ein Frosch mit 4 Augen und fasst es auf gar keinen Fall an: „Ich hab kein Hendl bestellt! Hast Du meinen Schweinebraten vergessen? Ich hatte fei einen Schweinebraten bestellt!“
Bedienung: „Moment, der müsste unter meiner rechten Achsel klemmen!“

Gast: „Bringst mir noch eine Maß!“
Anderer Gast: „Und den Schweinsbraten und eine Limo!“
Bedienung: „Noch jemand Bier?“
Gast: „In zwei Minuten!“

Die Bedienung kommt also mit einem weiteren Schlitten voller Schweinebraten, Haxn, Obatztn…
Bedienung: „Macht Ihr mir bitte Platz?“
Gäste: schauen verwundert! Schließlich haben sie ja bereits ihr Hendl und sind am Essen und was bitte will jetzt die nervige Bedienung schon wieder hier???
Nun wird aber einer richtig sauer: „Das könntest Du wirklich anders organisieren! Das ist ja wohl scheiße wie Du das hier machst! Während Du Deine Haxn und Schweinebraten ablädst, wird hier mein Hendl kalt. Also, das ist ja wohl echt der Hammer! Das kann doch wirklich nicht sein! Ich muss hier aufhören zu essen, nur weil Du den anderen auch noch was bringst, und mein Hendl wird kalt. Also das musst Du echt anders organisieren, das ist ja wohl scheiße, wie Du das hier machst!“
Bedienung: freundlich lächeln und Arschloch denken, ich meine, da fällt Dir manchmal echt nix mehr ein!
Gast: „Du hast mein Radler vergessen!“
Gast: „Ich hätte jetzt doch auch gerne ein Hendl!“
Gast: „Kannst Du mir noch einen Serviette bringen!“
Gast: „Und eine Spezi!“
Gast: „Ich nehm noch a Maß!“

Gast: „Wir bräuchten ein zweites Besteck!“
….

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