Wie viel verdient eine Wiesnbedienung?

Da man über Geld bekanntlich nicht spricht, es aber viele Leute gibt, welche in dem Irrglauben leben, dass eine Bedienung nur einmal im Jahr 16 Tage arbeiten muss, sehen wir uns wirklich dazu genötigt, diese Wissenslücke zu schließen und Aufklärung zu leisten.

In der Regel läuft das so: die Bedienung kauft und verkauft wieder. Sie ist sozusagen ein Unternehmer im Unternehmen. Sie braucht also auch ein gewisses Startkapital, um auf der Wiesn arbeiten zu können. Wie hoch die Gewinnspanne ist, ist natürlich von Zelt zu Zelt unterschiedlich. Fakt ist aber, die Bedienung erhält keinen Stundenlohn, sondern lediglich die Differenz, die aus dem Ein- und Verkauf entsteht. Das ist auch der Grund, warum die Wiesnbedienung gerne viel verkauft und auf Spezihalbe-Trinker und Noagerl-Zuzla verzichten kann.

Wer in der Schule oder im BWL-Studium aufgepasst hat, kennt den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn. Um diesen Umsatz zu machen stehen ihr 10 Sitzplätze pro Biertisch zur Verfügung. Das heißt im Klartext:

– sie verdient nichts, wenn Ihr nicht konsumiert
– sie verdient nichts, wenn Ihr am Nachbartisch bei der Kollegin einkauft und dann an ihrem Tisch trinkt
– sie verdient nur die Hälfte, wenn Ihr versucht, zu fünft einen Tisch für Euch in Anspruch zu nehmen
– sie verdient nichts, während Ihr für Eure Freunde reserviert, die gerade Achterbahn fahren oder sich  komischerweise um ca. 4 Stunden verspäten
– sie verdient nichts, während sie Servietten und einen Strohhalm für Euch holt
– sie verdient nichts, während sie für Euch den Tisch abwischt oder Eure leeren Teller weg trägt
– sie verdient nichts, während sie über schlecht eingeschenkte Biere diskutiert
– sie verdient nichts, wenn sie euer Bier nachschenken lässt
– sie verdient nichts, wenn sie Sägespäne holen muss… (bitte fragt nicht warum!)

Und jetzt kommt ein ganz entscheidender Faktor ins Spiel, wie Ihr Euch für all diese Serviceleistungen – die eine jede Bedienung gerne und auch im größten Stress für Euch erledigt – erkenntlich zeigen könnt: Trinkgeld!

Kurzer Exkurs: In Deutschland ist es üblich, dem Servicepersonal 10% Trinkgeld zu geben. Bekommt man in einem durchschnittlichen Lokal einen durchschnittlichen Service, sprich man bekommt etwas zu essen und zu trinken und muss nicht allzu lange auf die Rechnung warten, schlägt man auf den Rechnungsbetrag 10% auf. Bei gutem Service darf man gerne deutlich aufrunden!

Und jetzt wieder zurück zur Wiesn!

Große, schwere Maßkrüge werden durch viele betrunkene Menschen manövriert und vollbeladene Tabletts mit Essen für einen kompletten Biertisch werden mit Sauce und Knödel durch die vollen Gänge balanciert. Und trotzdem haben die Jungs und Mädels meist ein Lächeln auf den Lippen und die Nerven, 16 Tage lang mit einem Witzchen auf die Sprüche ihrer Gäste zu reagieren und auf ihre Wünsche einzugehen. So spontan würde ich sagen, es gibt keinen Grund, warum man hier weniger Trinkgeld geben sollte als im durchschnittlichen Lokal bei der durchschnittlichen Bedienung. Ganz im Gegenteil!

Wer Biermarken hat, gibt aber auch gerne mal 0,48% Trinkgeld! Ernsthaft! Nein, das ist kein Witz und passiert sehr oft!

Jeder von euch hat schon mal eine Biermarke gesehen. Diese (Papier-)Marken erhält man beispielsweise bei einer Reservierung in einem der großen Festzelte. Es gibt Hendl- und Biermarken. Diese Marken sind wie Bargeld zu behandeln, da sie einen bestimmten Wert haben. Je nachdem was auf der Marke steht, hat diese einen unterschiedlichen Wert.

Steht da beispielsweise inklusive/mit Bedienungsgeld, entspricht der Wert der Marke exakt dem Bierpreis.

Steht da allerdings exklusive/ohne Bedienungsgeld, heißt das, dass die Marke weniger wert ist als ein Bier und ein Aufgeld in Höhe von € 0,95 in diesem Jahr bezahlt werden muss. Dieses Aufgeld nennt man Bedienungsgeld. Das Bedienungsgeld ist also der Lohn der Bedienung, jedoch kein Trinkgeld.

Wie kommen denn jetzt diese 0,48% zustande?

Das geht im Jahre 2016 zum Beispiel so: Eine Biermarke plus 1 Euro = 5ct Trinkgeld. Die Biermarke ohne Bedienungsgeld hat einen Wert von 9,45 Euro. 95 Cent Bedienungsgeld kommen oben drauf, so dass man auf den diesjährigen Bierpreis von 10,40 Euro kommt. Legt Ihr auf eine Biermarke also 1 €, so habt Ihr für Service und Lächeln 0,48% bezahlt, also 9,52% weniger als bei der durchschnittlichen Bedienung im durchschnittlichen Lokal.

Über die Bemerkung beim zahlen „Ich gebe kein Trinkgeld, Ihr verdient eh so viel“ müssen wir an dieser Stelle nicht diskutieren… Dies nur als kleine Ausführung zum Thema „Wie und wieviel verdient eine Wiesnbedienung?“ Wir lächeln trotzdem weiter!

PROST!

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